Flugschein: Verein vs Flugschule – was ich gerne vorher gewusst hätte (+ Checkliste)

Nahezu jeder, der sich dazu entscheidet, einen Flugschein anzufangen, stolpert früher oder später über die obige Frage. Aber was ist jetzt die bessere Wahl?

Wie du dir vielleicht schon denken konntest, kann man dies nicht pauschal beantworten – denn es ist von deiner Ausgangssituation und deinen Prioritäten abhängig. Also besser gefragt:

Für wen ist der Verein besser?

Der Flugverein ist eine gute Wahl, wenn du deinen Flugschein so günstig wie möglich machen möchtest. Falls der Verein ein Vergütungssystem, wo du durch die Anzahl deiner Arbeitsstunden die Fluggebühren senken kannst anbietet, könnte dies eine kostengünstige Möglichkeit sein.

Darüber hinaus sind die Fluglehrer hier ehrenamtlich tätig. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie umsonst mit dir fliegen, sondern dass du „lediglich“ eine Aufwandsentschädigung von ca 20 bis 30 €/h zahlen musst. Im Gegensatz zu der Flugschule werden hier nur die Flugminuten abgerechnet und nicht die Zeit, die vorher zum Erklären oder nachher zum Besprechen am Boden verloren geht.

Der Verein könnte darüber hinaus auch für dich interessant sein, wenn darauf wert legst neue Kontakte zu knüpfen. So finden in den meisten Verein regelmäßig gemeinsame Veranstaltungen oder Abende statt, die das Vereinsleben fördern. Noch dazu werden vor allem oft im Luftfahrtbereich Ausflüge geplant um auch mal an anderen Orten fliegen zu können, wie z.B. Sommercamps im Segelflug.

Die Vorteile vom Verein kommen jedoch erst zu Geltung, wenn du auch die Zeit mitbringst und diese investieren willst. Falls nicht könnten die vermeintlichen Vorteile auch zu Nachteilen für dich werden:

In den meisten Verein gilt es eine Mindestanzahl an Arbeitsstunden abzuleisten, falls du diese nicht erreichst musst du eine bestimmte Summe für jede nichtgeleistete Arbeitsstunde nachzahlen. Frage hier am besten nach, ob und wieviele Arbeitsstunden in dem Verein abgeleistet werden müssen, da es hier von Verein zu Verein sehr schnell variieren kann.

Zudem verdienen die Fluglehrer im Verein durch ihre ehrenamtliche Tätigkeit meistens nicht ihren Lebensunterhalt und üben ihre Lehrertätigkeit nur Nebenbei aus. Folglich ist deine Flugstunde auch nicht das wichtigste in ihren Leben und es könnte passieren, dass sich der Flugschein hier viel länger als in der Flugschule hinzieht. Wichtig ist hier vor allem, das Verhältnis zwischen aktiven Flugschüler pro Fluglehrer. Je mehr Flugschüler ein Fluglehrer hat, desto weniger fliegst du. Auch hier:

Frage vorher nach den verfügbaren Fluglehrern und wie ihre Kapazitäten aussehen. Wenn du dein Flugschein schnell absolvieren möchtest, kommuniziere dies am besten bevor du dich anmeldest so konkret wie möglich, z.B. in einem Jahr. Wenn du hier ein wenig Glück hast und die Fluglehrer mitziehen, ist es so auch möglich den Flugschein hier schnell fertigzustellen. Ansonsten kann es sich im Verein aber auch schonmal mehrere Jahre hinziehen, bist du endlich die Lizenz in die Hände hälst, wobei sich natürlich auch ein Verein über die Jahres/ Monatsgebühren hält.

Fazit Verein: Wenn du viel Zeit hast und du darauf Wert legst neue Leute kennen zu lernen, als auch deinen Flugschein so günstig wie möglich machen willst, dann könnte der Verein die Richtig Wahl für dich sein. Vor allem Jugendliche, Auszubildende oder Studierende, die viel Zeit zur Verfügung haben, könnten hier besonders profitieren.

Falls du nicht allzu viel Zeit hast und z.B. nur zu bestimmten Zeiten fliegen kannst, könnt das Vereinsmodell immer noch Sinn machen, jedoch empfehle ich dir hier unbedingt vorher mit den Fluglehrern über ihrer Verfügbarkeiten zu reden. Des Weiterem solltest du dich dann über die zu leistenden Arbeitsstunden und deren Kosten bei nicht absolvieren informieren. Bedenke auch, dass die Mitgliedsbeiträge Kosten sind, die ausschließlich in einem Flugverein gezahlt werden müssen.

Für wen ist die Flugschule besser geeignet?

Die Flugschule eignet sich besonders für Leute, die entweder selber nur eingeschränkte Verfügbarkeiten mitbringen oder aber ihren Flugschein, so schnell wie möglich absolvieren möchten. Die Möglichkeit viele Kontakte zu knüpfen und dich hobbymäßig mit weiteren Flugkollegen anzufreunden sollte für dich zweitrangig sein.

Die Fluglehrer hier haben im Grunde bessere Verfügbarkeiten, da sie die Lehrertätigkeit meist hauptberuflich ausführen. Dementsprechend sind hier Lehrerkosten von 50 €/h die Stunde auch keine Seltenheit. Noch dazu, werden hier im Vergleich zum Verein nicht nur die Flugminuten, sondern auch Vor/-Nachbesprechung mit abgerechnet. Dafür kannst du in der Flugschule jedoch schon vorher Termine für die nächsten Wochen ausmachen und die Fluglehrer werden sich zeitlich so gut es geht nach dir richten, was in meinen Augen ein Riesen Vorteil ist.

Des Weiterem musst du hier auch keine Mitgliedsbeiträge zahlen: falls du in dem einem Verein aufgrund schlechter Verfügbarkeiten 2 bis 3 Jahre für den Flugschein brauchen solltest, könnten hier schon eine beachtliche Menge an Kosten auf dich zukommen, die den Verein, dann gar nicht mehr so viel billiger als die Flugschule macht. Noch dazu ist es oftmals gängig, dass man in einem Verein eine Versicherungsgebühr pro Jahr zahlt, den so genannten Quaxfond, der im direkten Kostenvergleich ebenso als potenziellen Vorteil für die Schule einzuberechnen ist.

In einer Flugschule sind ebenso keine Arbeitsstunden abzuleisten und es ist neben der Schulung kein weiteres Engagement für dich nötig – sprich du musst dich nicht anderweitig einbringen. Jedoch ist hier eine Anmeldegebühr zu zahlen, die jedoch auch schon von viele Vereinen verlangt wird.

Jedoch sind der Theorieunterricht, als auch die Charterstunden selber in der Flugschule teurer. Hier kommt es einfach auf die einzelnen Variablen an, die sich von Verein zu Verein und Flugschule zu Flugschule schnell ändern können. Hier ein Beispiel für eine 30 Stunden LAPL-Lizenz nach Mindeststundenanzahl:

Kostenvergleich: die verschiedenen Variablen können den Preisunterschied schnell verändern

Wenn man in dem gegebenen Beispiel berücksichtigt, dass man den Flugschein in der Flugschule schon nach einem Jahr und in dem Verein erst ich zwei Jahren in der Hand hält, dann sind die Mehrkosten schon gar nicht mehr so viel.

Fazit Flugschule: In der Flugschule kannst du deine Fluglizenz in der Regel schneller als in einem Verein absolvieren. Wenn nicht vorhast Arbeitsstunden abzuleisten und der zu vergleichende Flugverein auch eine Anmeldegebühr verlangt, dann kann es passieren, dass die Flugschule gar mal mehr so viel teurer ist. Das kann man jedoch nicht pauschal sagen, sondern das gilt es im direkten Vergleich der Flugschulen und Vereinen in der Nähe auszurechnen. Vor allem wenn man in der Flugschule vielleicht schon ein Jahr schneller fertig wird und man die Opportunitätskosten mit einbezieht, könnte sich die Flugschule dann am Ende mehr lohnen (auch finanziell).

Bedenke auch, dass du deine Fluglizenz in einer Flugschule absolvieren kannst und danach immer in einem Verein anmelden kannst. So bist du schnell fertig mit der Lizenz, hast dann aber auch die Vorteile des günstigeren Charters und des Vereinslebens.

Worauf solltest du noch achten?

Wichtiger noch als die Auswahl zwischen Verein und Flugschule sind für mich jedoch andere Punkte – lies am besten weiter, denn ich sag dir jetzt, worauf ich gerne vorher geachtet hätte.

1. Nähe zum Platz

Bevor du dich entscheidest, schau dir am besten erstmal die Möglichkeiten in deiner Nähe an. Welche Flugschulen und Vereine gibt es dort und fahr am besten vorher vorbei um dir ein eigenes Bild zu machen und um mit den Fluglehrern zu reden. Denn was bringt es dir, wenn du für jede Flugstunde mehrere Stunden fahren musst.

2. Ausstattung des Platzes

Schau dir die Flugzeuge an, die der Verein anbietet. Hat der Flugplatz das Flugzeug auf den du deine Ausbildung gerne absolvieren möchtest?

Aber noch wichtiger: Hat der Flugplatz eine Asphaltbahn oder doch nur ein Grasbahn? Wenn der Flugplatz nur über eine Grasbahn verfügt, bedenke, dass du oftmals nicht fliegen kannst, wenn der Boden von den letzten Tagen noch aufgeweicht ist. Denn es könnte schonmal passieren, dass es in Deutschland regnet, was dann natürlich sehr ärgerlich ist, wenn die Kollegen auf dem Platz mit Asphaltbahn schon längst wieder fliegen.

Verfügt der Flugplatz über ein Tower und ist dieser auch zu regelmäßigen Zeiten besetzt? Dies wäre ein immenser Vorteil, da ansonsten zu jeder deiner Flugstunden nicht nur der Fluglehrer Zeit haben muss, sondern auch noch eine dritte Person anwesend sein muss – der Flugleiter, der das Funkgerät am Boden bedient. Ist ein besetzter Tower vorhanden, hast du dieses Problem nicht, was die ganze Planung immens erleichtert.

Willst du deine Motorfluglizenz ist einem Segelflug verein machen? Auch dies ist möglich, da Segelflugvereine meist auch noch über Motorsegler oder Ultraleicht Flugzeuge zum schleppen verfügen. Beachte aber hier, dass in solchen Vereinen der Segelflug die Hauptpriorität ist, was dazu führen kann dass sich viele Fluglehrer an den Wochenenden lieber dem Segelflug widmen. Schau dir ebenso die Hallen an: wenn der Motorsegler ganz hinten steht und erst immer alle Segelflugzeuge rausgeschoben werden müssen, dann ist es ärgerlich, wenn du an dem Tag als einziger fliegst.

Ich selber habe vor allem schlechte Erfahrung in der folgenden Kombination gemacht: kleiner Platz, Grasbahn, kein Tower und Vereinsmodell. Dies hat dazu geführt, dass ich in meinem ersten Jahr nur 8 Flugstunden absolvieren konnte, obwohl ich nahezu immer Zeit hatte. Denn wenn schon ein dritte Person als Flugleiter organisiert werden muss, dann lohnt es sich auch nicht, wenn nur ein Flugschüler fliegt, dementsprechend sind immer mehrer Flugschüler nacheinander geflogen, was wiederum dazu geführt hat, dass einer immer nur ca 30 Minuten in der Luft war. Wenn du jetzt noch das Flugzeug aus der Hall ziehen und anschließend sauber machen musst und einen Weg von 40 Minuten zum Platz hast, dann hast du einen immensen Zeitaufwand für wenig Flugzeit. In diesem Fall, würde ich sofort die Flugschule vorziehen, da du ansonsten nie mit deiner Lizenz fertig wirst. Also achte vorher auf die Gegebenheiten des Platzes.

3. Verfügbarkeiten der Lehrer

Wie bereits angesprochen, kannst du auch in einem Flugverein schnell fertig werden, wenn die Gegebenheiten bzw die Ausstattung des Platzes stimmen. Ich kann es nicht oft genug sagen: Ich würde jedes mal ein Platz mit Asphaltbahn und besetztem Tower vorziehen.

Danach solltest du dich mit den Fluglehrern in Verbindung setzen und klären, wie seine Kapazitäten aussehen. Wieviele aktive Flugschüler hat dieser zurzeit? Findet er dein Ziel z.B. in einem Jahr mit dem Flugschein fertig zu werden realistisch? Wenn nicht, glaub ihn und versuche es in einem anderen Verein/Flugschule. Im besten Fall besteht die Möglichkeit, dass du auch mit einem anderen Fluglehrer fliegen kannst, falls deiner nicht kann. Bespreche diese Dinge aufjedenfall vorher.

Erst nachdem ich diese 3 Dinge abgeklärt hätte würde ich mich zwischen dem Vereinsmodell und der Flugschule entscheiden. Hierzu habe ich dir eine Checkliste erstellt, die alle wichtigen Punkte aus diesem Beitrag enthält. Lad sie dir jetzt kostenlos herunter, damit du die Vereine/ Flugschulen in deiner Nähe optimal vergleichen kannst:

Download “Checkliste – wo soll ich meinen Flugschein machen” Checkliste-wo-soll-ich-meinen-FLugschein-machen.xlsx – 57-mal heruntergeladen – 291 KB

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